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Intersektionalität

Intersektionalität ist eine Theorie, die erklärt, wie Unterschiede zwischen Menschen zusammenwirken, wodurch Benachteiligung und Diskriminierung entstehen. Diese Unterschiede in Diversitätsdimensionen wie Geschlecht, Alter, Herkunft oder Behinderung führen dazu, dass Menschen unterschiedlich behandelt werden. Einige werden diskriminiert, andere haben mehr Vorteile und Privilegien.
Intersektionalität

Das Wichtigste in Kürze:

Intersektionalität ist eine Theorie, die beschreibt, wie Unterschiede zwischen Menschen, wie Geschlecht, Alter, Herkunft oder Behinderung, zusammenwirken und zu Diskriminierung führen.
Der Begriff „Intersektionalität“ wurde von Kimberlé Crenshaw geprägt, die aufzeigte, dass die Diskriminierung Schwarzer Frauen nicht allein durch Rassismus oder Sexismus erklärt werden kann.
Menschen erleben unterschiedliche Formen von Diskriminierung aufgrund verschiedener Merkmale. Diese Erfahrungen sind komplex und miteinander verknüpft. Es reicht nicht aus, nur eine Kategorie zu betrachten, um Vorteile oder Nachteile zu erklären. Die Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Merkmalen sind wichtig.
Unternehmen müssen die Komplexität von Diskriminierung verstehen, um inklusive Strukturen zu schaffen. Viele Unternehmen konzentrieren sich auf einzelne Diversitätsdimensionen und vernachlässigen die komplexen Überschneidungen. Dadurch bleiben die spezifischen Herausforderungen von Mehrfachdiskriminierung unberücksichtigt. Eine intersektionale Perspektive hilft, Ungleichheiten zu bekämpfen und alle Stimmen zu berücksichtigen.

Intersektionalität Definition: Was bedeutet es?

Intersektionalität bezeichnet die Art und Weise, wie verschiedene Formen von Diskriminierung zusammenwirken. Der Begriff wird in der Wissenschaft, Bildung und Politik verwendet, um auf die besonderen Erfahrungen von Menschen aufmerksam zu machen, die aufgrund verschiedener Merkmale benachteiligt werden.

Ein Beispiel:

Eine schwarze Frau kann aufgrund ihres Geschlechts und ihrer Hautfarbe andere Formen der Diskriminierung erfahren als ein schwarzer Mann oder eine weiße Frau. Während eine schwarze Frau sowohl mit rassistischen als auch mit sexistischen Vorurteilen konfrontiert ist, kann ein schwarzer Mann hauptsächlich mit Rassismus und eine weiße Frau hauptsächlich mit Sexismus konfrontiert sein. Diese Kombination von Diskriminierungsformen führt zu besonderen Herausforderungen für schwarze Frauen in verschiedenen Lebensbereichen.

Quellen: Crenshaw, 1989; Vielfalt Mediathek

Welche Dimensionen und Ebenen gibt es?

Soziale Kategorien und Diversitätsmerkmale, wie Geschlecht, Ethnizität, Behinderung, sexuelle Orientierung, Alter, Religion und soziale Klasse, überschneiden sich und beeinflussen gemeinsam die Diskriminierungserfahrungen von Menschen. Diese Dimensionen der Identität verstärken sich oft gegenseitig, was dazu führt, dass Diskriminierung und Ungleichheit auf mehreren Ebenen gleichzeitig auftreten können. Einzelne Diskriminierungsformen wie Sexismus, Rassismus, Homophobie oder Ableismus lassen sich nicht isoliert betrachten. Vielmehr ist es entscheidend, wie sie in Kombination wirken, um zu verstehen, welche Herausforderungen sich für einzelne Menschen und Gruppen ergeben. (Quelle: Charta der Vielfalt)

Ein Beispiel: Dimensionen Religion und Sexuelle Orientierung.

Ein weiteres Beispiel ist die Schnittstelle zwischen Religion und sexueller Orientierung. Religiöse Minderheiten wie muslimische oder jüdische Menschen, die sich gleichzeitig als LGBTQ+ identifizieren, können eine besondere Art von Diskriminierung erfahren. Diese Individuen werden möglicherweise aufgrund ihrer religiösen Zugehörigkeit ausgegrenzt, während sie innerhalb ihrer religiösen Gemeinschaften Homophobie erleben. Die Diskriminierung, die sie erfahren, ist einzigartig für die Schnittmenge ihrer religiösen Identität und sexuellen Orientierung – eine Form von Mehrfachdiskriminierung, die weder allein durch Religion noch allein durch sexuelle Orientierung erfasst werden kann.

Woher kommt der Begriff “Intersektionalität”?

Der Begriff wurde von der Professorin und Rechtswissenschaftlerin Kimberlé Crenshaw verwendet. Sie hat untersucht, wie schwarze Frauen wegen Diskriminierung vor Gericht geklagt haben. Dabei stellte sie fest, dass schwarze Frauen oft anders behandelt werden als weiße Frauen oder schwarze Männer. Diese Unterschiede wurden oft nicht als Diskriminierung erkannt.

Crenshaw bezeichnete diese Art von Benachteiligung als „Intersektionalität“, da sie sich aus der Verschmelzung von Rassismus und Sexismus ergibt. Das Wort leitet sich vom englischen Begriff „intersection“ (Kreuzung oder Überschneidung) ab und bezeichnet die Interaktion verschiedener sozialer Gruppen wie Geschlecht, Ethnizität und Klasse.

Intersektionalität verdeutlicht, dass Diskriminierung nicht isoliert betrachtet werden kann. Um soziale Ungleichheiten vollständig zu verstehen und Maßnahmen gegen Mehrfachdiskriminierung zu entwickeln, ist es entscheidend, die komplexen Überschneidungen von Identitätsmerkmalen zu berücksichtigen. (Quelle: Crenshaw, 1989)

Welche Synonyme gibt es für Intersektionalität?

Mehrfachdiskriminierung oder Interdependenz, welches auf die gegenseitige Abhängigkeit und das Zusammenspiel verschiedener sozialer Kategorien und Identitätsmerkmale hinweist. bedeutet, dass verschiedene soziale Merkmale wie Geschlecht und Herkunft sich gegenseitig beeinflussen.

Der Begriff “Überlappende Identitäten” wird häufig mit Intersektionalität gleichgesetzt, unterscheidet sich aber darin, dass die Intersektionalitätstheorie sich spezifisch auf Macht, Privilegien, gesellschaftliche Hierarchie und systemische Unterdrückung bezieht.

Quellen: Bolding, 2020; FU Berlin

Audre Lorde: Es gibt keine Hierarchie in Unterdrückung.

Ein weit verbreitetes Missverständnis in Bezug auf Intersektionalität ist die Vorstellung, dass Diskriminierung einfach „addiert“ werden kann (siehe Abbildung). Es könnte der Eindruck entstehen, dass eine schwarze Frau sowohl Rassismus als auch Sexismus erfährt und diese Erfahrungen einfach nebeneinander existieren. Diese Diskriminierungsformen wirken jedoch intersektional, d.h. sie verstärken sich gegenseitig und erzeugen eine bestimmte Form von Ungleichheit, die weder ausschließlich durch Geschlecht noch ausschließlich durch Ethnizität erklärt werden kann. Diese intersektionale Sichtweise ist entscheidend für das Verständnis und die Bekämpfung komplexer Ungleichheiten.
Zwei Venn-Diagramme zum Thema Intersektionalität: Eines zeigt zwei getrennte Kreise mit den Worten Rassismus und Sexismus, beschriftet mit „Addition“. Das andere zeigt sich überschneidende Kreise, die mit „Intersektion“ beschriftet sind.
Die Dichterin und Aktivistin Audre Lorde betont in ihren Werken, dass es keine Hierarchie der Unterdrückung gibt. Das bedeutet, dass keine Form der Unterdrückung als wichtiger oder schwerwiegender angesehen werden sollte als eine andere. Alle Formen der Diskriminierung - sei es aufgrund des Geschlechts, der ethnischen Herkunft, der sozialen Herkunft oder der sexuellen Orientierung - sind miteinander verwoben und von gleicher Bedeutung.

Eine einseitige und hierarchische Betrachtung von Diversität und Diskriminierung hat häufig zur Folge, dass Ungleichheiten weder vollständig erkannt noch ausreichend angegangen werden. Dies kann dazu führen, dass Gleichstellungs- und Inklusionsmaßnahmen weniger wirksam sind und blinde Flecken in Diversitätsstrategien entstehen. Unternehmen, die Intersektionalität nicht in Betracht ziehen, riskieren, bestimmte Mitarbeiter*innen zu übersehen oder ihre Anliegen nicht ausreichend zu berücksichtigen.

Abbildung von Audre Lorde.
Quelle: (FU Berlin; Lorde, 1983)

Intersektionalität am Arbeitsplatz: Status Quo & Herausforderungen.

Trotz der zunehmenden Anerkennung von Diversität und Inklusion bestehen nach wie vor große Herausforderungen im Umgang mit Intersektionalität am Arbeitsplatz. Viele Unternehmen konzentrieren sich auf einzelne Diversitätsdimensionen wie Geschlecht oder Ethnizität und vernachlässigen die komplexen Überschneidungen zwischen diesen Merkmalen. Dies führt dazu, dass die spezifischen Herausforderungen, die sich aus Mehrfachdiskriminierung ergeben, nicht ausreichend berücksichtigt werden.

Hinzu kommt, dass komplexe Diskriminierungserfahrungen bislang rechtlich nicht ausreichend anerkannt werden. Diese Schutzlücken verdeutlichen, dass die Gesetzgebung Menschen, die mehrere Diskriminierungsgründe in sich vereinen, oft nicht die notwendige Gerechtigkeit bietet.

Ein weiteres Problem ist der Mangel an ausreichenden Daten und Messinstrumenten, um die Auswirkungen intersektioneller Diskriminierung zu erfassen und zu überwachen. Ohne genaue Daten ist es schwierig, gezielte Maßnahmen zu entwickeln und Fortschritte bei der Förderung von Intersektionalität am Arbeitsplatz zu messen. Darüber hinaus neigen Unternehmen dazu, ihre Ressourcen auf allgemeinere Diversity-Initiativen zu konzentrieren, während spezifische Maßnahmen zur Unterstützung von Beschäftigten, die sich in mehreren Identitätskategorien wiederfinden, häufig vernachlässigt werden. (Quelle: Eine Welt der Vielfalt)

Was ist eine intersektionale Perspektive im Unternehmen?

Eine intersektionale Perspektive ist entscheidend, um eine wirklich gerechte Unternehmenskultur zu schaffen. Das bedeutet, dass Diversität, Gleichstellung und Inklusion durch eine intersektionale Linse betrachtet werden müssen. Ein intersektionaler Ansatz hilft dabei, systemische Ungleichheiten effektiv zu bekämpfen und eine gerechtere Arbeitsumgebung zu fördern. (Quelle: Lawson, 2023)

Wie kann eine intersektionale Perspektive gefördert werden?

2020 hat die Robert Bosch Stiftung das Förderprogramm „Reducing Inequalities through Intersectional Practice“ initiiert und neun Prinzipien entwickelt, um die Praxis der Intersektionalität zu unterstützen. Die Prinzipien bieten einen Leitfaden, um zu verstehen, was Intersektionalität bedeutet und wie sie umgesetzt werden kann:

Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft: Berücksichtige historische und aktuelle Kontexte, um Herkunft, Ethnie, Geschlecht, sozialen Status und andere Marginalisierungsformen besser zu verstehen.

Historische Machtstrukturen: Erkenne die Mechanismen von Unterdrückung und Diskriminierung, wie Patriarchie und Kolonialisierung, die die heutigen Ungleichheiten prägen.

Intersektionaler Feminismus: Nutze intersektionalen Feminismus als ein Instrument und als Methode, um gleiche Rechte und Chancen für alle sicherzustellen.

Intersektionalität als Prisma: Sieh Intersektionalität als flexibles Prisma, das gelebte Erfahrungen ins Zentrum stellt und Dein Handeln leitet.

Sprachliche Gerechtigkeit: Stelle sicher, dass alle Stimmen gehört werden und keine Sprache oder Ausdrucksweise bevorzugt wird.

Echte Teilhabe: Fördere echte Teilnahme, indem Du Machtstrukturen adressierst und die Repräsentation aller relevanten Stimmen sicherstellst.

Zuhören und Verstehen: Höre aufmerksam zu, um die Erfahrungen und Perspektiven aller Mitarbeitenden zu verstehen und respektvoll zu integrieren.

Flexibilität üben: Sei bereit, Dich flexibel auf neue Erkenntnisse einzustellen und Deine Ansätze kontinuierlich zu reflektieren und anzupassen.

Verknüpfung von Theorie und Praxis: Verbinde theoretische Konzepte mit praktischen Anwendungen, um eine nachhaltige und gerechte Praxis zu entwickeln.

Intersektionale Praxis ist ein kontinuierlicher Lernprozess, der es ermöglicht, Ungleichheiten und ungleiche Machtverhältnisse langfristig abzubauen und eine nachhaltig inklusive Arbeitsumgebung zu schaffen. (Quelle: Robert Bosch Stiftung)
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